Wieso „joggen“ die meisten Läufer auf den Fersen?

Wieso „joggen“ die meisten Läufer auf den Fersen?

Anatomisch betrachtet ist der Fersenlauf alles andere als sinnvoll. Dennoch laufen nahezu alle Freizeitjogger im Fersenlauf. Somit stellt sich die Frage nach dem WIESO?

Um diese Frage zu klären ist zunächst ein Blick auf das Erlernen der Lauftechnik von Kinder hilfreich. Wenn Kleinkinder das Gehen erlernen „tapsen“ sie zunächst auf dem ganzen Fuß. Wird ihre Gehtechnik dann besser, gehen sie bei Gehen – barfuß nur auf weichem Grund – zum Aufsatz auf der Fersen und dem Abrollen über. Ist das gehen vollständig erlernt, folgt das „Rennen“. Alle Kinder beginnen in dieser Phase mit der Ballen-Lauftechnik, gehen aber mit der Zeit zum Fersenlauf über. Aber woran liegt das?

Kurz gesagt ist die Antwort: Der Gebrauch von Schuhen.

Schuhe schützen vor Umwelteinflüssen (Kälte, Feuchtigkeit, mechanischer Schaden: Scherben, Steine,…), verändern aber auch unser Gangbild (Fersenaufsatz beim Rennen → hohe Belastung Fuß-, Knie-, Hüftgelenk, starker Bremsstoß, große Hebelwirkung auf Waden-, Schienbein, Oberschenkel,…)

Dass dem so ist konnte bereits in ersten wissenschaftlichen Studien Ende der 70er-Jahre gezeigt werden.  Diese zeigten, dass es mit der Einführung von – vor allem – gedämpften Schuhen zu einem exponentiellen Anstieg von Verletzungen des Schien und Wadenbeins oder der Muskulatur des hinteren Oberschenkels. Diese Entwicklung wird heute erneut während der aktuell ablaufenden Einführung derartiger Schuhe in den Entwicklungsländern deutlich. Der Körper passt sich sozusagen an den (Lauf-)Schuh an. Hierbei muss von einer Maladaptation, d.h. einer mittel- bis langfristig gesundheitlich schädliche Anpassungsreaktion gesprochen werden. Der Körper gibt dabei Funktionen der Kraftübertragung und Stabilisierung an den Schuh ab und wird somit vom Schuh abhängig und in seiner Flexibilität sich an unterschiedliche Belastungsbedingung anzupassen eingeschränkt.

 

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