13. Oktober 2014 blogger

Funktionelles Training heißt als erstes, dass man den Körper als zusammenhängendes System versteht und ihn auch so trainiert.

Als Beispiel die freien Kniebeuge mit einer Langhantelstange vs. Gerätetraining:

Bei den freien Kniebeugen werden die Muskeln so genutzt, wie eine Hebebewegung im „realen“ Leben funktioniert.

Wenn ich etwas heben will stehe ich auf den Füßen. Die Kraft – die Gegenkraft des Bodens – wird über das Fußgelenk auf die Muskulatur des Unterschenkels übertragen. Von dort aus auf die Oberschenkel, die Hüfte, den Rumpf bis zu den Schulter.

Alle Teile müssen im richtigen Verhältnis zu einander Arbeiten (Kraft + Zeit). Geschieht das nicht, ist keine Kniebeuge/ kein Heben möglich.

Als Hauptmuskelgruppen trainiere ich bei der Kniebeuge vier Bereiche:

– vorderer Oberschenkel (Quadrizeps femoris)

– hinterer Oberschenkel (Bizeps femoris, Semimembranosus,…)

– Po (Gluteus maximus)

– gesamter unterer Rücken (Quadratus lumborum, Multifiudus lumborum,…).

In so einer Weise zu trainieren bringt mir drei essentielle Vorteile:

1. Ich nutze und fördere die Ansteuerungsmuster des Gehirns an die Muskeln. – Nutzung der Muskel unter Umweltbedingungen optimiert

2. Ich spare sehr viel Zeit. – Vier mal 10 Wiederholungen Kniebeuge + fünf Minuten Erwärmung dauern gesamt ca. 15 Minuten.

Würde ich nur die gerade genannten vier Hauptmuskelgruppen mit Hilfe von Geräten trainieren, müsste ich mich als erstes fünf Minuten an der Beinstreckmaschiene erwärmen und dann viermal 10 Wdh. zu trainieren. Gefolgt von 15 min Beinbeugemaschiene, 15 min Retroversion für den Po,…

Ich bräuchte also schon ca. viermal so lange (nur) für die „Hauptmuskulatur“!

3. Ich vermeide die Ausbildung von Dysbalancen.

Eine Dysbalance besteht, wenn zwei entgegengesetzt arbeitenden Muskeln unterschiedlich stark trainiert sind – Beispiel: starke Brustmuskulatur, schwache Rückenmuskulatur -> krumme Haltung der Brustwirbelsäule -> Überlastung der Nackenmuskulatur,…

Dieses Szenario kann beim Gerätetraining besonders schnell eintreten, da es durch die Unterstützung des Gerätes, welches jede Haltearbeit für mich übernimmt (Rückenstütze, Oberschnenkelfixation, Armpolster, feste Hebelarme,…), besonders leicht ist einen Muskel, oder eine Muskelgruppe zu trainieren und dessen/ deren Gegenspieler gezielt zu vernachlässigen.

So wäre es an Geräten beispielsweise leicht möglich, nur die Vorderseite des Oberschenkels zu trainieren, oder nur den Bizeps. Das Ergebnis ist ein dysbalancierter Körper, der schlecht arbeitet/ funktioniert und auch nicht gut aussieht, da Form und Funktion immer Hand-in-Hand gehen. Unsere optische Bewertung eines Körpers ist von Natur aus darauf ausgelegt, dass wir das schön finden, was am besten funktioniert – Bsp.: runder Po = Muskel -> Kraft, Leistung vs. Flacher Po = keine Muskeln…!

 Wenn ich funktionell denke und dementsprechend trainiere, vermeide ich Dysbalancen fast automatisch! So können solche Klassikerübungen wie Kniebeuge, Klimmzüge oder Liegestütze niemals dazu führen, dass damit nur der fordere Oberschenkel, der Bizeps oder die Brust trainiert werden!

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