26. Januar 2015 blogger

Im Grunde genommen stellt „Paläo“ nicht nur die eine Ernährungsform dar, mit der dieser Begriff vielfach synonym gesetzt wird, sondern einen Lebensstil.

Der Lebensstil „Paläo“ beruht auf der Überlegung, dass sich die Menschen innerhalb der Periode des Paläolithikums (Altsteinzeit – Beginn: ca. 2,6 Millionen Jahre v. Chr. = ältester Steinwerkzeugfund – Ende: ca. 10 000 v. Chr. = Beginn des Ackerbaus) natürlich, d.h. gemäß ihrer biologischen Anlagen ernährt und bewegt haben und das die heutigen Zivilisationskrankheiten vor allem auf „Fehlernährung“ und Bewegungsmangel zurückzuführen sind.

„Paläo“  soll heute also nachbilden, was während der Steinzeit „natürlich“ war.

Dabei stellt sich jedoch folgende Frage: Woher wissen wir heute was früher „natürlich“ war?

Den ersten Ansatz zur Klärung dieser Frage bietet die Untersuchung fossiler Funde menschlicher Vorfahren bis hin zum frühen Homo sapiens (= Jetztmensch). Fossilien –  vor allem Kieferknochen und Zähne – geben zwar vielfältige Anhaltspunkte auf Beschaffenheit und Zusammensetzung der damaligen Nahrung, bislang war es auf diesem Wege jedoch weder möglich eine Spezialisierung auf bestimmte Nahrungsmittel nachzuweisen, noch konnten eine charakteristische Verteilung von Nahrung pflanzlichem zu Nahrung tierischem Ursprungs oder ein defi­niertes Verhältnis von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten gezeigt werden. Dementspre­chend ist es somit auch nicht möglich eine empirisch begründbare Aussage dazu zu machen, wie die häufig als „natürlich“ propagierte „Steinzeiternährung“ im Detail beschaffen war. ­

Eine weitere Möglichkeit Licht ins Dunkel des Paläolithikums zu bringen, liegt in der Erforschung noch heute lebender „Steinzeitvölker“. Derartig lebende Menschen finden sich beispielsweise in Afrika (z.B. Gwi, !Kung, Efe), Südamerika (z.B. Nukak, Hiwi, Ache), in Australien (z.B. Anbarra) oder in der Arktisregion (z.B. Nunamiut). Sie ernähren sich ausschließlich von dem, was die Natur ihnen bietet. Logischerweise ist deren Ernährung somit durch das Klima und die ortsansässige Fauna und Flora geprägt. So ist die Nahrung der arktischen Nunamiut vorwiegend tierischen Ursprungs – 95 % tierisch zu 5 % pflanzlich, die Nahrung der afrikanischen Gwi hingegen besteht hauptsächlich aus pflanzlicher Kost – 75 % pflanzlich zu 25 % tierisch.

Schon dieses Beispiel macht deutlich, dass man auch auf diesem Weg keine eindeutige Aussage zur „richtigen“ oder „echten“ Paläoernährung machen kann.

Gesamt betrachtet stellt „Paläo“ also bestenfalls eine nützliche theoretische Herleitung für einen gesünderen Lebensstil dar, die dennoch mindestens zwei wichtige Eigenschaften mit allen tatsächlichen Steinzeitlebensweisen gemeinsam hat:

1. keine industriellen Nahrungsmittelprodukte mit gehärteten Fetten und raffiniertem Zucker und

2. viel Bewegung(!)

=  zwei unbestreitbar wichtigen Faktoren für Gesundheit und Fitness!

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