14. September 2015 blogger

Jedem Sportler stellt sich dieselbe Frage mindestens ein bis zwei Mal im Jahr: Darf ich trotz Krankheit trainieren?

Der Körper besitzt ein sehr fein eingestelltes System der Selbstinspektion, dass Einem im Krankheitsfalle normalerweise genau die richtigen Verhaltenshinweise nahe legt. Leider ist deren Umsetzung keineswegs selbstverständlich. Wir Menschen sind – dank unserer Fähigkeit bewusst zu denken – in der Lange, uns über unsere Grenzen hinaus zu „pushen“. Sinnvoll und daher auch evolutionär weitergegeben ist dieses Verhalten immer dann, wenn es darum geht Entwicklung voranzutreiben. Nebenwirkung dieses „inneren Drucks“ ist aber häufig, dass wir uns auch dann, wenn kein äußerer Zwang besteht, entgegen innerer Warnsignale dazu entscheiden weiterzumachen. Der Gedanke an „Training trotz Krankheit“ ist ein gutes Beispiel dafür. Immer wieder trifft man Menschen beim Training an, deren Aktivitätsniveau nicht über einen kurzen Spaziergang hinausgehen sollte. Dieses Verhalten nimmt nicht nur in Kauf alle anderen Anwesenden anzustecken, was für sich genommen schon sehr verantwortungslos ist und absolut vermieden werden sollte. Es stellt auch ein großes Risiko für dessen eigene Gesundheit dar. Besonders risikoreich ist jede Art von Training, das zu einer starken und dauerhaften Herzfrequenzerhöhung führt. Vor allem trifft dies für (intensives) Kraftausdauertraining und Ausdauertraining zu. Training trotz Krankheit  führt zwar nicht unweigerlich zu Schäden und Folgeerkrankung, das Risiko dafür ist jedoch in jedem Falle ungleich höher als der potentielle Nutzen. Im leichtesten Fall bewirkt die körperliche Beanspruchung während manifester Infektion, dass sich deren Verlauf verlängert. Das können „ein paar“ Tagen, aber auch Wochen sein. Weiterhin ist es möglich, dass aus einer leichten Infektion der oberen Atemwege (Halskratzen, leichter Schnupfen usw.) eine mittelschwere (z.B. Bronchitis) bis schwere Infektion (z.B. Lungenentzündung) erwächst. Hier kann der Krankheitsverlauf eine Krankenhausaufenthalt möglich machen und sich über Monate hinziehen. Des Weiteren drohen Chronifizierung (z.B. Belastungsastam),  sowie eine Infektion des Herzmuskels (Myokarditis). Eine Myokarditis kann sowohl akut auftreten, als auch chronisch verlaufen. In beiden Fällen ist diese potentiell tödlich oder kann zu Behinderung führen!

Einfach ausgedrückt: Sobald man sich also „irgendwie“ krank fühlt, sollte man sich (unbedingt) eine Pause gönnen, die so lange andauert, bist es Einem wieder gut geht!

Abschließend soll noch erwähnt werden, dass der von einer Infektion geplagte Körper durch ein leichtes Krafttraining weniger belastet wird, als durch Ausdauer- oder Kraftausdauertraining. Da das potentielle Risiko jedoch trotzdem höher ist als der potentielle Nutzen, ist auch dieses nicht zu empfehlen.

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