4. Mai 2015 blogger

Häufig werden die langfristigen Folgen von Schlafmangel stark unterschätzt, da man die teilweise massiven Auswirkungen über Monate bis Jahre nicht oder nur kaum spürt. Grund dafür ist die Fähigkeit des Körpers die grundlegende Funktionstüchtigkeit mit Hilfe verschiedenster Kompensationsmechanismen weitestgehend zu erhalten. Diese Negativanpassung verursacht jedoch Probleme, die zu dramatischen Funktionsstörungen und schweren Krankheiten führen können.

Schlafmangel führt zu Stress, auch wenn man diesen nicht immer direkt fühlt. Der Körper gerät in eine Zustand der Überaktivierung. Cortisol wird freigesetzt und das Immunsystem wird heruntergefahren. Mittelfristig bedeutet dies eine erhöhte Infektanfälligkeit. Langfristig wird das Krebsrisiko erhöht. Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen, was eine erhöhte Belastung des Herzmuskels bedeutet. Zudem steigt die Konzentration an LDL (Lipoprotein niederer Dichte) im Blut und das Verhältnis von LDL zu HDL (Lipoprotein hoher Dichte) verschiebt sich.  Ablagerungen in den Blutgefäßen treten vermehrt auf. Insgesamt steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Außerdem wird die Verdauungsleistung reduziert, wodurch es häufiger zu Bauchschmerzen und Durchfällen kommen kann. Die Glukosetoleranz vermindert sich, d.h. der Körper ist weniger gut in der Lage die Verteilung der Glukose zwischen Blut und Gewebe zu kontrollieren, ein Risikofaktor für Diabetes mellitus Typ 2.

Das Haarwachstum wird verlangsamt oder sogar gestoppt, die Haut regeneriert sich langsamer, was zu Schuppung, der langsameren Heilung von Wunden und einem generell schlechterem Haut- und Haarbild führt. Die Bildung (natürlicher) anaboler Steroide (Testosteron, Wachstumshormon) wird vermindert, gleichzeitig steigt die Konzentration der Cortikosteroide, was die Reparaturleistung der Muskelzellen vermindert, d.h. längerer Muskelkater und weniger Muskelaufbau. Da Testosteron und Östrogen auch an der Regulation der sexuellen Lust beteiligt sind, singt somit auch die Libido.

Schlafmangel stellt eine besondere Belastung für das Nervensystem dar. Für die Muskulatur bedeutet dies eine geringere Aktivierung, d.h. geringere Kraft- und Schnelligkeitsleistung. Die Koordinationsleistung vermindert sich, die Unfallgefahr (Stürze, Verkehrsunfälle) steigt.

Die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit sinkt, auch die psychische Regulationsfähigkeit kann stark betroffen sein. Was mit Hypersensibilität, übersteigertes (Selbst-) Mitleid oder auch Aggressivität beginnt, kann bis hin zu einer Depression führen.

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