23. Februar 2015 blogger

Immer wieder werden (Blog-)Artikel veröffentlicht, die ein „Horrorszenario“-Paläo entwerfen. Begriffe wie Zuckermangel und Unterzuckerung sind da häufig zu lesen oder es wird von Burnout aufgrund von Zuckermangel gesprochen.

Aber wie sieht es mit dem Zuckerbedarf wirklich aus? Braucht der Körper überhaupt Zucker und wenn ja, bekommt er durch die paläogemäße Ernährung genug?

Diese Fragen lassen sich nicht einfach mit JA/ NEIN beantworten. Um wirklich darauf antworten zu können ist eine differenzierte Betrachtung notwendig!

Das Glukose (Einfachzucker) ein wichtiger Energielieferant ist, steht außer Frage. Zucker ist der Energieträger, den der Körper immer dann nutzt, wenn die Energieflussrate während der Belastung ein Maß übersteigt, dass über dem durch Fettverbrennung zu gewährleistenden Niveau liegt. Vorraussetzung dafür ist der Zuckerspeicher (in Form von Glykogen) in Leber und Muskeln. Eine noch größere Rolle spielt die Glukose bei der Energieversorgung des Gehirns, der roten Blutkörperchen und der Nieren, da diese Organe nicht direkt über den Abbau von Fett zu versorgen sind. So kann zum Beispiel die Blut-Hirn-Schranke nicht von Fettsäuren überwunden werden, Glukose hingegen passiert diesen „Filter“ und ist so in der Lage die Nervenzellen zu erreichen und zu versorgen.

Dennoch besteht auch bei der striktesten Paläoernährung keinerlei Grund zur Sorge um eine energetische Unterversorgung dieser Organe!

1. Paläo bedeutet nicht, dass keine Kohlenhydrate mehr zugeführt werden, weil man auf Getreideprodukte, Milch und Hülsenfrüchte verzichtet. Jede Form von Obst und Gemüse enthält Kohlenhydrate und der Körper ist problemlos dazu in der Lage langkettige Kohlenhydrate – wie im Gemüse – in kurzkettige bis hin zum Einfachzucker (Glukose ist ein Einfachzucker) herunter zu brechen.

2. Selbst wenn man täglich nur sehr wenige Kohlenhydrate zuführt (< 50 g/ d), kann der Körper diesen Zuckermangel durch die Fettverbrennung auszugleichen – Stichwort: Ketose.

Ketose bedeutet, dass der Körper Fettsäuren in Ketonkörper umwandelt, welche in der Lage sind die Glukose als schnell zu verstoffwechselnde Energiequelle abzulösen und die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.

3. Der Körper ist bei Bedarf zur Neubildung von Glukose fähig = Glukoneogenese.

Glukoneogenese ist die Umwandlung von Milchsäure, Glycerin oder (im Notfall) Aminosäuren in Glukose. Zudem deuten bioinformatische Untersuchungen darauf hin, dass der Körper auch auf anderen Wegen zur Bildung von Glukose aus Fettsäuren fähig ist.

Erklärung:

– Milchsäure kann mit der Nahrung aufgenommen werden oder entsteht unter Belastung und darauf folgendem Sauerstoffmangel in der Muskulatur in Form von Laktat.

– Glycerin ist eine Fettsäure, die mit der Nahrung aufgenommen wird.

– Aminosäuren sind die Bausteine der Eiweiße, die hauptsächlich als Baumaterial dienen, d.h. zur Umwandlung von körperfremdem in körpereigenes Eiweiß herangezogen werden = Reparatur oder Neubildung von Gewebe – z.B. Muskulatur.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren erscheint es geradezu lächerlich, was so mancher „Autor“ im Internet für anti-paläolithische Schreckensszenarien entwirft!

Menü