21. Dezember 2015 blogger

Der Begriff „kinematische Kette“ stammt aus der Mechanik und beschreibt allgemein ein System von miteinander verbundenen Körpern, die im Stande sind eine Kraft aufeinander zu übertragen und somit eine Bewegung zu erzeugen.
Auch in der Biomechanik ist dieser Begriff von größter Bedeutung, da dass System „Körper“ genau auf diesem Prinzip beruht. Knochen, die über Gelenke miteinander verbunden sind und über die eine Kraft aktiv (Muskulatur) oder passiv (z.B. Schwerkraftwirkung) übertragen und in eine Bewegung überführt werden kann.
Das Prinzip der kinematischen Kette beinhaltet zwei Optionen, die offenen und die geschlossenen Kette.
Eine kinematische Kette ist immer dann offen, wenn ein Teil der Kette/ des Körpers vom jeweiligen Kraftübertragungsprozess ausgeschlossen ist und sozusagen frei bewegt werden kann. Dies trifft immer dann zu, wenn einzelne Muskelgruppen isoliert belastet werden – Beispiel: Training an der Beinstreckmaschine, Bizeps-Curls an der Maschine. Generell ist das Prinzip der offenen Kette besonders häufig beim „Maschinentraining“ anzutreffen, da diese Geräte das für eine Bewegung notwendige Maß an Muskelrekrutierung durch Stützpolster und vorgegebenen Bewegungswege herabsetzen.
Von einer geschlossenen kinematischen Kette spricht man immer dann, wenn jeder Teil des Körpers am Kraftübertragungsprozess beteiligt ist, d.h. kein Körperteil frei bewegt werden kann. Beispiele sind Kreuzheben, Kniebeuge oder Boxjumps.
Gerade bei Übungen wie dem Boxjump wirkt diese Betrachtung oft kontraintuitiv, da man mit den Armen ja „frei“ im Raum zu sein scheint. Stellt man sich jedoch vor, wie ein Sprung auf eine Box völlig ohne Beteiligung der Arme als Schwung- und Ausgleichselement aussehen würde, wird schnell klar, dass auch diese unabdingbar für die Sprungbewegung sind.
Abschließend ist jedoch noch festzustellen, dass es (wie bei (fast) allen Systemen) auch bei der Einteilung der Übungen in „offen“ und „geschlossen“ eine Art „Grauzone“ gibt.
Manche Übungen sind tatsächlich sozusagen „halboffen“ oder „halbgeschlossen“, da sie vom biomechanischen Standpunkt aus den Bewegungen einer offenen kinematischen Kette zugehörig sind, dennoch alle Kettenglieder/ Muskelgruppen zumindest indirekt an der Bewegung beteiligt sind. Die gilt beispielsweise stehendes Langhantelschulterdrücken, da die Kraft von den Füßen lückenlos bis in die Hände übertragen wird.

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