3. August 2015 blogger

Der Diskurs zu den gesundheitlichen Wirkungen der Milch ist nach wie vor nicht ausgefochten. Es gibt sowohl progressive Fürsprechen, als auch erbitterte Gegner. Was die Einen als beste Quelle für Calcium und Protein definieren, sehen die Anderen als „unnatürliche“ und ungesunde Industrienahrung. Argumente dagegen zielen meist in die Richtung, dass kein anderes Säugetier als Erwachsener noch Milch konsumiert und das der Mensch evolutionär noch nicht an den lebenslangen Milchkonsum angepasst sein kann.

Auf der anderen Seite zeigen neuere Erkenntnisse aus der Epigenetik jedoch, dass schnelle Anpassung – d.h. in nur tausenden und nicht Millionen Jahren – durchaus möglich ist. So haben vor allem die (Mittel- und Nord-) Europäer bereits weitgehend die Fähigkeit beibehalten auch als Erwachsenen noch die nötigen Enzyme zu synthetisieren, die die Aufspaltung von Laktose ermöglicht.

Ob wir aber auch mit den Eiweißen in der Milch – oder noch kritischer – mit den Hormonen in der Milch gut umgehen können, ist ein anderer Punkt. So zeigen Langzeitstudien zum Thema Milch und Prostatakrebs durchaus signifikante Ergebnisse. Ein Ergebnis war, dass der tägliche Konsum von 250 ml Milch über 10 Jahre das relative (!) Prostatakrebsrisiko um 30 % erhöht. Dazu ist aber wieder festzustellen, dass Ernährungsstudien immer vielfältige Fehlerquellen aufweisen, die nicht oder zumindest kaum zu beseitigen sind – z.B. andere Lebensfaktoren. Des Weiteren stellt sich noch die Frage, ob solche Ergebnisse nur für die „Milch an sich“ oder auch für andere Milcherzeugnisse Gültigkeit besitzen. So kann es bezüglich des Käses ganz anders sein, da speziell angepasste Bakterien für die Umwandlung der Milch verantwortlich sind. Auch was die Eigenschaft der Milch als („beste“) Calciumquelle angeht, sind ähnlich widersprüchliche Fakten im Umlauf. Das Milch reich an Calcium ist, kann nicht bezweifelt werden. Ob jedoch das ebenfalls darin enthaltene Milcheiweiß Casein, zum Entzug von Calcium aus dem Körper führt, ist nicht abschließend geklärt. Des Weiteren stellt sich die Frage danach, ob die möglichen Negativeffekte einer Zufuhr von Kuhmilch nur dann resultiert, wenn diese aus (stark) industrieller Haltung gewonnen wurde und somit von Milch „natürlicher“ gehaltener Kühe (Weidehaltung, ausschließliche Grasfütterung) keine Gefahr droht? (Randbemerkung: Und wie verhält es sich mit der Milch anderer Tiere: Ziege , Schaf,…?) Insgesamt ist also festzustellen, dass über die Frage nach dem gesundheitlichen Nutzen der Mich noch keine Einigkeit besteht und beide „Lager“ über sinnvolle Argumente verfügen. Wie (wahrscheinlich) bei allen Produkten, ist es daher sicherlich sinnvoll möglichst nur hochwertige Milchprodukte zu verwenden, den Konsum von Milch und Milchprodukten auf einem „moderaten“ Maß zu halten und diese mit einer Vielfalt anderer (hochwertiger) Nahrungsmittel zu kombinieren.

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